Facebook Places – Marketing-Wunderwaffe oder Beginn einer neuen Datenschutzdebatte?

23.08.2010 | Allgemein, BtoB-Marke, Digitale Medien, Technik, | Autor: Matthias Heft

Wer in den letzten Tagen die neue Version der Facebook App auf sein iphone geladen hat, hat sich vielleicht über das neue Feature gewundert, das über den Button mit dem Namen “Orte” – nein, eben nicht abrufbar ist. Bislang ist die neue Funktionalität Nutzern in USA vorbehalten. Was in dem recht gefühlsduseligen Vorstellungsvideo (siehe unten)  als eine “neue Dimension der Realität” angekündigt wird, hat dort schon ebenso viele Fans wie Kritiker.

Die Facebookgemeinde feiert das neue Produkt und lobt die Möglichkeit, sich spontan mit Freunden zu treffen, die sich in der Nähe aufhalten. Kritiker befürchten wahre Online-Stalking-Exzesse. Doch worum geht es überhaupt? Einfach gesagt, erlaubt “Places” an bestimmten Orten einzuchecken, wie dies über andere Services wie Foursquare schon möglich ist. Der Nutzer bestätigt per Knopfdruck, nun bei Starbucks angekommen zu sein. Facebook Freunde, die online sind, werden darüber benachrichtigt und können entscheiden, ob sie die Mittagspause mit dem Freund verbringen wollen. Die Integration dieser Funktion in das Facebook Netzwerk mit mittlerweile einer halben Milliarde Nutzern könnte in der Tat große Auswirkungen auf des soziale Leben haben, ähnlich wie die Erfindung der SMS. Auch wenn zum Launch in den USA der Fokus auf die nicht-kommerziellen Aspekte des Produktes gelenkt wird, dürfte jedem klar sein, dass in dem Service ein enormes wirtschaftliches Potenzial steckt – und dass Places vor allem für uns Marketeers entwickelt wurde.

Gastronomie, Einzelhandel und die Unterhaltungsindustrie dürften die ersten sein, die den neuen Service kapitalisieren werden. Unser Freund aus der Mittagspause könnte zum Beispiel von Starbucks per Facebook ein kostenloses Topping für seinen Milchkaffee angeboten bekommen. Der  Shrek 4-Fan, der sich in der Nähe eines Kinos aufhält, bekommt von UCI das Angebot einer kostenlosen Tüte Popcorn, wenn er sich den Film innterhalb der nächsten vier Tage dort ansieht. Unzählige Promotion-Ideen, die sofort umsetzbar sind. Doch besteht auch Potenzial für BToB Brands? Impulskäufe aufgrund attraktiver On-Pack Promotions sind bei Druckmaschinen bislang doch eher die Ausnahme geblieben!

Mir kommen da spontan zwei Ideen, bei denen Places für BtoB Brands echten Nutzen schaffen kann.   Erstens: Messen. Als Standmanager erfahren Sie per Facebook, dass ein wichtiger Kunde gerade auf der Hannover Messer eingecheckt hat. Eine Einladung zu einer interessanten Produktdemo, einer Podiumsdiskussion oder einfach zur Messeparty kann so viel unkomplizierter – und auch viel unaufdringlicher – als per Telefon oder SMS erfolgen. Zweitens: Flughäfen, Bahnhöfe und die Verkehrsmittel selbst – seit langem sind Airport-Medien die begehrtesten für Business Zielgruppen. Selbstverständlich, dass auch die sozialen Medien in diesem Umfeld viel Platz für die kreative Ansprache von Entscheidern bieten.

Für blinde Euphorie besteht jedoch sicherlich kein Anlass. Während man im privaten Bereich noch gut selber entscheiden kann, ob man sich öffentlich zu erkennen gibt oder lieber anonym an einem Platz aufhält, kann dies im beruflichen Umfeld durchaus zu einer Entscheidung werden, die der Einzelne nicht mehr allein treffen kann. Ich sehe schon viel Arbeit für Kommunikationsagenturen zukommen, die mit dem Verfassen von Social Media Guidelines betreut werden. Aus gutem Grund. Ich möchte jedenfalls nicht lesen: Werber XY just checked in at Z company zur Pitch Präsentation.

Gespannt auf viele Meinungen zum Thema,

Matthias Heft

Facebook Places Launch Video

Fünf nützliche Marketingschaubilder

14.06.2010 | Allgemein, BtoB-Marke, | Autor: Michael Frank

Anbei ein Link zu fünf wirklich interessanten Marketingschaubildern, Schwerpunkt Social Media.

Quelle: blog.marketo.com

Der ADC und die Realität

19.05.2010 | Allgemein, BtoB-Marke, Nicht kategorisiert, | Autor: Matthias Heft

Vergangene Woche durfte ich ein interessantes Kontrastprogramm erleben: Montags eine Gastvorlesung bei Studenten des 3. Semesters “Internationale BWL” der FH Worms, Samstags ADC-Ausstellung in Frankfurt.
Weiter entfernt konnten die Welten zwischen potenziellen Auftraggebern (diese Studenten sitzen in zwei Jahren in den Marketingabteilungen) und Kreativen nicht sein. Es gibt gar keine, wirklich gar keine Berührungspunkte zwischen dem, was den Studenten heute an der Hochschule vermittelt bekommen, und dem, was wir uns als Kreativromantiker zurechtwünschen.

Meine Aufgabe an die Studenten: Launch eines BtoB Produktes. Formulierung einer Positionierung auf Basis von Unternehmens-, Markt- und Wettbewerbsinformationen. Vorschlag eines idealen Marketingmix zur Einführung. Keine Budgetlimits.

6 Gruppen haben die Arbeit gelöst. Alle haben die Positionierung mehr oder weniger gut hinbekommen. Beim Marketingmix ernüchternde Ergebnisse: Keine Gruppe schlug Printkommunikation vor. Keine Anzeigen. Keine Broschüren. Keine Plakate. Nullkommanull above-the-line Advertising. Szenenwechsel. Frankfurt Messehalle 5, die Kreativszene feiert sich selbst. An den Wänden: endlose Reihen von Doppelseiten mit großen Bildern, tollen Headlines und wenig bis keinem Copytext. Anzeigen vor allem. Plakate. Mailings.
Mit der Realität hatten die Arbeiten freilich nie etwas zu tun. Genau so wenig wie mit der Gegenwart. Manche Kampagne ist so alt, dass man sich fragte, ob es beim ADC eine neue Kategorie “Schimmel” gibt. Andere waren gut, aber klassische Award-Show-Fakes.

Liebe ADC-Vorstände. Stellt euch den Anforderungen der Gegenwart. Oder, noch besser, der Zukunft. Sonst versteht ihr morgen die Auftraggeber gar nicht mehr. Die Vergangenheit heißt so, weil sie vergangen und VORBEI ist.

Liebe BWL-Studenten. Schaut euch die Cannes-Rolle an. Besucht die Homepages der großen Festivals. Begeistert euch für kreative Werbung. Denn eine große kreative Idee ist wirtschaftlich wertvoller als das meiste, was euch die Professoren erzählen.

Vielleicht sehen wir dann beim ADC eines Tages auch mal wieder reale Kampagnen, die reale Kundenprobleme gelöst haben.

Intercultural (BtoB) Communication

02.05.2010 | Allgemein, | Autor: Matthias Heft

“German advertising doesn’t travel well” – so lautet zumindest ein bei amerikanischen Kollegen in Marketingabteilungen und Werbeagenturen verbreitetes Vorurteil.
Und tatsächlich scheitert die Internationalisierung deutscher Kreativideen in der Praxis häufig. Dies kann zum einen an der Kreation selbst liegen. Oft sind aber auch die Präsentation und das Meetingverhalten Ursache für den Misserfolg.
Wer sich die folgenden Stereotypen vor Augen führt, findet vielleicht den einen oder anderen Hinweis, um besser durch Präsentationen und Meetings mit amerikanischen Kollegen zu kommen.

Deutsche Klischees über Amerikaner:*

1. Sie sagen jedes Mal “Excuse me”, wenn sie beim Vorbeilaufen im Buchladen für einen Sekundenbruchteil die Sicht versperren.
2. Der Glaube, man sei für alles, was einem widerfährt, selbst verantwortlich (woraus sich viel Stress ergibt).
3. Amerikaner reden von Liebe, auch wenn es nur um einen Schokoriegel geht.
4. Schwache Geographiekenntnisse: Bomben in Beirut bedeuten weniger US Besucher bei den Festspielen in Bayreuth.
5. Sie lieben die Bequemlichkeit, dafür opfern sie jede Ästhetik.
6. Sie glauben es nicht nötig zu haben eine Fremdsprache zu erlernen.
7. Sie sind gnadenlos patriotisch (und können das Gegenteil bei anderen nicht verstehen).
8. Kindliche Begeisterungsfähigkeit bis ins hohe Alter.
9. Sie duschen mehrmals täglich.
10. Amerikaner interessieren sich nicht annähernd so für Deutsche, wie sich Deutsche für Amerikaner interessieren.

Amerikanische Klischees über Deutsche:*

1. Deutsche antworten einem gut Deutsch sprechenden Amerikaner lieber auf Englisch.
2. Das Tragen von Designer Brillen gilt als ein Kennzeichen von Individualität.
3. Sicherheitsdenken, bloss kein Risiko eingehen.
4. Sie zerstören jeden Film mit den immer gleichen Synchronisationsstimmen.
5. Bei Parties und sonstigen Begegnungen werden Leute einander kaum jemals vorgestellt.
6. Deutsche halten ihre abrupte Art für Ehrlichkeit, aber die wirkt auf Amerikaner furchtbar aggressiv.
7. In Deutschland haben die Leute viel mehr Zeit: Das ermöglicht ausgedehnte Treffen und tiefe Gespräche, führt aber auch zu Trägheit. Deutsche bleiben immer etwas zu lange.
8. Deutsche Frauen rasieren ihre Achseln und Beine nicht.
9. Der Zigarettenkonsum ist archaisch, die hemmungslos verbreiteten Rauchschwaden stehen in harschem Kontrast zum sonst sehr ausgeprägten ökologischen Bewusstsein.
10. Sie kennen nicht das Gefühl des “personal space”, des geschützten Luftraums um jede Person.

Auch das Teamwork wird grundsätzlich unterschiedlich wahrgenommen. So beklagen sich deutsche Arbeitsgruppen über amerikanische Teams:

“Warum planen die nicht zu Beginn anständig und machen dann den Job statt hinterher Probleme zu diskutieren, die man hätte vermeiden können?”

Gleichzeitig bemängeln amerikanische Teams an deutschen Arbeitsgruppen:

“Ich kann diese endlosen Diskussionen zu Beginn nicht ertragen. Warum kann man nicht anfangen, sobald das Ziel formuliert ist? Probleme kann man auch diskutieren, wenn sie tatsächlich auftauchen!”

Was man als Deutscher daraus lernen kann?
1. Klare Meetingziele formulieren
2. Meetings kompakt halten
3. Redezeitkonto im Auge behalten
4. Direktheit dosiert einsetzen
5. Man kann auch von Liebe reden, wenn es um Drehmaschinen geht
6. Wortspiele: Vorsicht Falle!

*Quelle: Prof. Dr. Jae A. Chung, HTW Aalen

Die digitale Überforderung

10.12.2009 | Allgemein, Digitale Medien, | Autor: Tim Bögelein

Alle preisen sie – die DIGITALE REVOLUTION. Besonders wir Kommunikationsspezialisten freuen uns über die vielen neuen Möglichkeiten und Wege, Botschaften in Richtung der Zielgruppen zu transportieren. Ob die Menschen mit dieser digitalen Flut jedoch überfordert sind. Ob die Kommunikationsbotschaften der Unternehmen überhaupt noch ankommen und wenn ja über welchen Kanal? Darüber wird noch nicht intensiv genug diskutiert. Frank Schirrmacher (Herausgeber der FAZ) diskutiert in seinem neuen Buch “Payback” diese Thematik. Er geht sogar noch tiefer und fragt “Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen”. Ich denke es wird spannend das zu lesen und habe mir das Buch gerade bestellt. Sobald ich durch bin, berichte ich wieder in diesem Blog.

Der Bundesverband Industriekommunikation (BVIK) ist gegründet.

07.12.2009 | Allgemein, | Autor: Michael Frank

Am 2. Dezember fand in Fürstenfeldbruck die Gründung des Bundesverbands Industriekommunikation (BVIK) statt, vorangetrieben von den Machern der Indukom. Gedanke des Verbandes ist, eine gemeinsame Plattform für Marketing- und Werbeverantwortliche aus der Industrie auf der einen und den Kommunikationsdienstleistern auf der Seite zu schaffen. Mehr »

Zweiquellen-Recherche

19.11.2009 | Allgemein, | Autor: Jörg Dambacher

Tja, es gibt beim Bloggen mindestens dieselben bitteren Momente wie im Fußball. Hat gestern jemand den Ausgleich von Frankreich in der Verlängerung des Relegationsspiels gegen Irland gesehen? Wie Henry den Ball absichtlich mit der Hand mit nimmt? Ausgerechnet Thierry Henry, der Gutmensch des runden Leders, der Intellektuelle, der Weltverbesserer? Ja, tatsächlich, der ist sich im entscheidenden Moment nicht zu schade, einen kleinen, miesen Betrug zu begehen. Frankreich macht das 1:1 und fährt nach Südafrika. Irland ist draussen und die Schiedsrichter, die gesamte irische Mannschaft, die 20.000 mitgereisten Fans sind einem Betrüger aufgesessen. Mehr »

Adword Anzeigen und Markenschutz

17.11.2009 | Allgemein, BtoB-Marke, Digitale Medien, Nicht kategorisiert, | Autor: Matthias Heft

Der Bundesgerichtshof hat hinsichtlich der Suchmaschinenwerbung bei Google (Adwords) in diesem Jahr mehrere Grundsatzurteile gefällt, die werbungtreibenden Unternehmen mehr Sicherheit bei der Schaltung von Adwords-Kampagnen geben. Dies ist zu begrüßen, da in der Vergangenheit Instanzgerichte zu diesem Thema stark unterschiedlich entschieden hatten. Mehr »

Friedrich Schiller, die Hymne zum Mauerfall und die BtoB-Werbung

10.11.2009 | Allgemein, | Autor: Jörg Dambacher

Schiller wäre heute 250 Jahre alt geworden. Und es scheint eine wunderbare Laune der Geschichte zu sein, dass exakt einen Tag nach dem großen deutschen Freiheitsfest am 9. November 2009 einer der größten deutschen Freigeiste seinen runden Jubeltag feiert. Leider steht es ja einigermaßen in Verruf, sich zu den deutschen Klassikern zu bekennen. Und man konnte bei den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls wunderbar beobachten, was derzeit im Trend liegt. Mehr »

RTS Rieger Team oder ifo-Geschäftsklimaindex?

05.11.2009 | Allgemein, | Autor: Jörg Dambacher

Das ifo-Geschäftsklima wird seit 1972 regelmäßig vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlicht. Und wenn mal wieder in den Rundfunk-Nachrichten davon geredet oder in der Tageszeitung darüber geschrieben wird, dann nimmt man in der Regel gar nicht so richtig wahr, welche Informationen da genau durch den Äther oder die Druckfarbe gehen. Und ich möchte hier mal gerne darstellen, welch zielsichere Vorhersagen über das wirtschaftliche Klima in Deutschland die Kombination aus ifo-Geschäftsklimaindex und RTS Rieger Team erlaubt. Wie ich zu der Aussage komme? Das möchte ich gerne erklären. Mehr »